Das neue Stück Stadt im Gespräch

Seit September 2017 finden öffentliche «Hallengespräche» statt.
Wir reden über die Neugasse und das Stadt-Entwickeln. Stadtexpertinnen und -experten schärfen mit ihrem Blick von aussen die Planungsansätze für das Areal und geben Einblicke in die Dynamik, wie heute Stadt entsteht.

In der Diskussion erörtern wir Ansätze und Antworten zu wichtigen Entwicklungsfragen des Areals und bieten Ihnen einen Einblick in den laufenden Prozess.

Wir freuen uns darauf, Sie an den «Hallengesprächen» begrüssen zu dürfen!

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Gewerbe, Kultur und Gemeinschaftsnutzungen

Das Podium – von links: Romano Zerbini, Barbara Buser, Gesa Witthöft, Sonja Hasler (Moderation), Giacomo Dallo, Ueli Keller.

Gesa Witthöft rief dazu auf, den Dialog mit den Nutzerinnen und Nutzern nach Abschluss der Bauphase weiterzuführen. Das Projekt «Pocket Mannerhatten» in Wien, das sie wissenschaftlich begleitet, geht dabei neue Wege.

Barbara Buser: «Nutzungen sollen gruppiert werden. Das führt zu belebenden Begegnungen und schafft Kundschaft für andere Angebote, z.B. Cafés oder Restaurants.»

Romano Zerbini sieht an der Neugasse eine Chance, Raum für künstlerische Experimente bereitzustellen – dieser werde im Stadtzentrum immer knapper.

«Welche Bedürfnisse die Jugendlichen von morgen haben, wissen wir nicht. Sicher ist: sie brauchen Räume, die sie selber gestalten können.» Giacomo Dallo.

Ueli Keller legt Wert darauf, dass die Nachbarschaft bei der Entwicklung des Areals Neugasse einbezogen wird.

Rund 70 Personen nahmen am dritten Hallengespräch teil.

Wie kann das Areal Neugasse zu einem vielfältigen Quartier- und Stadtleben beitragen? Und welche Rahmenbedingungen benötigen Gewerbe und Kultur an einem Ort wie der Neugasse? Auf dem Podium diskutierten:

  • Gesa Witthöft, Stadtsoziologin, Technische Universität Wien
  • Barbara Buser, Architektin, Baubüro in situ / denkstatt sàrl, Basel
  • Giacomo Dallo, Geschäftsführer Offene Jugendarbeit (OJA), Zürich
  • Ueli Keller, Architekt, Präsident der Stiftung PWG, Zürich
  • Romano Zerbini, Direktor der Photobastei, Zürich

In ihrem Eingangsreferat stellt Gesa Witthöft fest, dass im Kreis 5 alles vorhanden ist, was eine typisch europäische Stadt ausmacht: eine sehr durchmischte Bevölkerung, vielfältiges Gewerbe und ein räumliches Nebeneinander unterschiedlichster Nutzungen. Ebenso typisch für Europa ist, dass sich die Bahninfrastruktur mitten im Zentrum grossflächig verändert und dadurch Entwicklungen in der Stadt anstösst.

 

«Was lohnt sich, auch wenn es sich nicht rechnet?»

Stadtplanung muss laut Witthöft zum Ziel haben, diese Entwicklung so zu steuern, dass eine grösstmögliche Vielfalt entsteht. Die Nutzungsmischung darf dabei nicht nur wirtschaftlich betrachtet werden – man muss sich auch fragen, was sich lohnt, obwohl es sich nicht rechnet. Das breit angelegte Mitwirkungsverfahren zum Areal Neugasse sieht sie als grosse Chance, Qualität in der Stadtentwicklung zu schaffen. Besonders wichtig ist, die Nutzerinnen und Nutzer in die Weiterentwicklung des Angebots einzubinden und den Dialog nach Abschluss der Bauphase fortzuführen.

 

Räume nicht fertig bauen

In der Diskussion schälen sich zwei Rahmenbedingungen heraus, die für eine Nutzungsvielfalt entscheidend sind: Gestaltungsmöglichkeiten und Mietpreise. Die Bedürfnisse künftiger Generationen von Jugendlichen zu berücksichtigen, heisst für Giacomo Dallo, Gestaltungsspielraum zu bieten und gewisse Räume «unfertig» zu lassen. Genau dies setzte Barbara Buser in einem Projekt in Berlin konkret um. Das Erdgeschoss im Spreefeld wurde nur im Rohbau erstellt und der Endausbau den Mietern überlassen. Für Räume mit undefinierter Funktion gibt es in der Stadt Zürich jedoch planungsrechtliche Hürden. Ueli Keller weist darauf hin, dass für eine Baubewilligung die Nutzung eines Raumes festgelegt sein muss.

 

Quartierangebote und städtische Anziehungspunkte bringen Leben

Ein Stadtteil wird nach Barbara Busers Erfahrung dann lebendig, wenn es Angebote gibt, die das Quartier versorgen und mit kurzen Wegen erreichbar sind (wie einen Schuhmacher oder eine Kita), aber auch städtische und sogar überregionale Anziehungspunkte.

Entscheidend ist, Nutzungen so zu gruppieren, dass die Infrastruktur wie Sitzungsräume o.ä. gemeinschaftlich genutzt werden kann. Dies führt zu belebenden Begegnungen und schafft auch Kundschaft für andere Angebote, z.B. Cafés oder Restaurants.

Neue Konkurrenz für die Viaduktbögen, die durch die PWG betrieben werden, fürchtet Ueli Keller nicht. Für die Nachbarschaft kann die Entwicklung an der Neugasse durchaus eine Chance sein. Wichtig ist ihm, dass man im Gespräch bleibt.

Damit an der Neugasse ein Mehrwert fürs Quartier entsteht, braucht es aus Kellers Sicht einen durchlässigen öffentlichen Raum, in dem man sich gerne aufhält, ein Konzept, das auch die Nachbarschaft einbezieht und berücksichtigt – und Mietbedingungen, die für kleinere, weniger umsatzstarke Betriebe tragbar seien, Quersubventionerungen sind ein möglicher Ansatz.

Dass die Höhe der Miete entscheidend dafür ist, welche Kulturräume an der Neugasse entstehen können, betont Romano Zerbini mit Nachdruck. Es besteht die Gefahr, dass kulturelle Freiräume, die nicht-etablierten Künstlerinnen und Künstlern eine Plattform bieten, aus dem Stadtzentrum vertrieben werden. Wie seine Erfahrung mit der Photobastei zeigt, ist der Bedarf nach solchen Räumen durchaus da, doch ohne finanzielle Unterstützung sind sie nicht überlebensfähig.

Auch Giacomo Dallo weist darauf hin, dass es nicht genüge, einfach Räume zur Verfügung zu stellen. Damit Jugendliche diese gemäss ihren Bedürfnissen gestalten können, sind Impulse in Form eines Unterstützungsangebots ebenso nötig.

Raum und Gesellschaft

«Wichtig für eine glückliche, vielfältige Nachbarschaft sind vor allem heterogene Wohnformen und die mehrheitliche Nutzung der Gewerbeflächen durch lokale Anbieter.» Prof. Dr. Martina Löw

Günther Arber von der Stadt Zürich im Gespräch mit der Soziologin Barbara Emmenegger.

Architekt und Stadtplaner Uli Hellweg mit dem Architekten Markus Schaefer.

Bereits am Nachmittag diskutierten die Stadtexpertinnen und -experten über die Neugasse Zürich.

Am Abend verlagerten sie ihr Gespräch auf die Bühne.

Was zeichnet die städtische Gesellschaft heute aus und welche Entwicklungen prägen sie? Welche Quartiere und Nachbarschaften erzählen welche Stadtgeschichten? Wie divers ist die Stadt heute – oder wie ähnlich? Was bedeutet das für die Entwicklung eines zentral gelegenen, innerstädtischen Areals wie der Neugasse Zürich und für das Zusammenleben in einem neuen Stadtteil?

Am zweiten «Hallengespräch» zum Thema «Raum und Gesellschaft» diskutierten Experten, wie die lebenswerte Stadt von morgen aussieht und warfen einen Blick auf das Areal Neugasse.


Folgende Expertinnen und Experten diskutierten:

  • Prof. Dr. Martina Löw, Professorin für Soziologie, Technische Universität Berlin
  • Uli Hellweg, Architekt, freier Stadtplaner und Kommunalberater, Hellweg Urban Concept, Berlin
  • Barbara Emmenegger, Soziologin, Dozentin und Projektleiterin am Institut für Soziokulturelle Entwicklung der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit
  • Günther Arber, Stadt Zürich, Bereichsleiter bei der Dienstabteilung Stadtentwicklung
  • Markus Schaefer, Architekt, Partner bei Hosoya Schaefer, Mitglied des Planerteams
Raum und Mobilität

«Es ist enorm wichtig, die Hierarchien des Raumes zu verstehen und das Projekt im gesamten Mobilitätskontext zu betrachten.» Anna Rose

Die Architektin und Stadtplanerin Anna Rose diskutierte mit dem Verkehrsplaner Willi Hüsler und dem Architekten Markus Schaefer.

Verkehrsplaner Christoph Suter, Architekt Uli Hellweg und SRF-Moderatorin Sonja Hasler im Gespräch.

«Was mich beeindruckt, ist die Offenheit, mit der dieses Verfahren gestaltet wird.» Uli Hellweg

Im Anschluss an die Podiumsdiskussion konnte sich das Publikum zu Wort melden.

Was zeichnet städtische Mobilität heute aus und welche Trends gilt es im Auge zu behalten? Wie bewegen wir uns heute durch die Stadt, wie morgen? Was bedeutet das für die Entwicklung eines zentral gelegenen, innerstädtischen Areals?

Am «Hallengespräch» zum Thema «Raum und Mobilität» erörterten lokale und internationale Expertinnen und Experten Mobilitätsfragen am Beispiel der Neugasse Zürich und diskutierten konkrete Ansätze für das geplante Areal.

Folgende Expertinnen und Experten diskutierten:

• Anna Rose, Architektin und Stadtplanerin, Vorstand Space Syntax Ltd., London
• Uli Hellweg, Architekt, freier Stadtplaner und Kommunalberater, Hellweg Urban Concept, Berlin
• Willi Hüsler, Verkehrsplaner, Geschäftsführer IBV Hüsler AG, Zürich
• Christoph Suter, Verkehrsplaner, Projektleiter ewp AG, Zürich
• Markus Schaefer, Architekt, Partner bei Hosoya Schaefer, Mitglied des Planerteams